Charly Graf - Die Boxlegende aus Mannheim

Es kommt - lässt man einmal Fußball-Liveübertragungen außen vor - selten bis überhaupt nicht vor, dass mich Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in ihren Bann ziehen oder gar beeindrucken. Am gestrigen späten Abend war das anders.

Die ARD strahlte eine Dokumentation über Charly Graf aus. Der Film stammt von Grimme-Preis-Träger Eric Friedler, der die Abteilung für Dokumentarfilme beim NDR leitet.

Charly Graf mit seinem Freund Peter-Jürgen Boock © NDR

Die Doku zeigt unerwartet tiefe Einblicke in das Leben und die Seele von Charly Graf. Sie lebt vor allem von den gut erhaltenen Aufnahmen aus den Sechzigern und Siebzigern sowie nicht zuletzt von den authentischen Interviews mit Graf selbst. Das mag am Schnitt und der Kameraführung liegen, aber vor allem auch am nahezu erschreckend offenen Auftreten des Protagonisten selbst.

Charly Graf wirkt zutiefst sensibel, zerbrechlich und gezeichnet aber zugleich gestärkt durch ein Leben, welches von unzähligen Hoch- sowie Tiefpunkten geprägt ist. Im Moment, in dem man seine Story aufnimmt und sie zu verstehen beginnt, wird einem bewusst, dass sie wohl eine von vielen, ähnlichen Lebenslinien seiner Generation und seines Umfelds darstellt. Graf hat mich sehr beeindruckt. Mit dem, was er war und als Essenz seines Werdegangs heute verkörpert.

★★★★★